Lebenslang wegen so einer Kleinigkeit

Feb 14th, 2009 | By cavo | Category: cavo relativ

Gestern wurde das Urteil im Prozess um die ermordete Morsal gesprochen. Das Resultat ist die einzig logische Strafe nach dem Gesetz: Lebenslang. Danach gab es dann im Gerichtssaal drastische Szenen und man sieht sich mal wieder mit dem Problem konfrontiert, dass die Integration in ein fremdes Land nicht ausschliesslich eine Angelegenheit des Gastgebers ist. Zitat eines Verwandten: “Lebenslang wegen so einer Kleinigkeit!” In Deutschland ist ein “Ehrenmord” (ich mag dieses Wort nicht, da zwei Dinge miteinanderverbunden sind, die sich ausschliessen) nun einmal keine Kleinigkeit, sondern ein Mord.

Einem Menschen wurde gegen seinen Willen die Zukunft geraubt, er wurde auf brutalste Art und Weise hingerichtet. Und das ist – neben anderen Straftaten – nun einmal das Schlimmste, was man in Deutschland und weltweit als Straftat begehen kann. Das Problem ist, dass solche Menschen in Parallelwelten leben und die Gesetze und Lebensstile nach ihren eigenen Vorstellungen mischen und das Beste für sich selektieren. Der Angeklagte erwähnte des öfteren, dass er in Kabul schon längst frei wäre. Nein… in Kabul ist keiner wirklich frei.

Es ist nun einmal so, dass alles im Leben seine Konsequenzen hat, und diese sind in verschiedenen Weltteilen anders. Und wenn ich mich dazu entschliesse, dass ich in ein fremdes Land gehe, dann habe ich mich dort in den relevanten Aspekten des alltäglichen Lebens anzupassen. Damit meine ich nicht, dass ich verlange, dass nun jeder Weisskraut essen muss und mit Genuss die Volksparade anschauen soll. Ich rede von wirklicher Integrationsbereitschaft. Ich bin im Ruhrgebiet aufgewachsen und dort gibt es auch heute noch Menschen, die seit 20, 30 Jahren dort leben und kaum Deutsch sprechen und keine Ahnung von den deutschen Kulturen haben. Brauchen sie streckenweise auch nicht, weil sie in einem fast geschlossenen System leben, wo es Leute gibt, die Ihnen bei Amtsgängen helfen oder die alltäglichen Dinge meistern. Der Rest wird im “Viertel” erledigt. Der Chef ist Landsmann, der Händler ums Eck ist Landsmann.

Und nur, damit das verständlich ist. Ich rede hier nicht von Klein-Istanbul, Klein-Zagreb oder Little-China. Ich nehme da fast jeden mit rein. Auf Mallorca brauchst du streckenweise kein Spanisch mehr reden, weil der Wirt Klaus heisst, der Ladenbesitzer Manni und die Hotelbesitzerin Uschi. Zu einem Grossteil kommst Du fast auf der ganzen Insel mit Deutsch weiter. Wie übel ist das denn, bitte schön?

All das oben Beschriebene ist also kein deutsches Problem, sondern ein Internationales. Ich erlebe das gerade hier sehr deutlich in der Schweiz. Hier spricht man dann von einer “Teutonisierung” – gerade die SVP ist da stark in der Meinungsbildung und visualisiert das Ganze durch die bekannten schwarze Raben- und Schafebilder.

Ich diskutiere gerne darüber, ob es Sinn macht, in der Schweiz einen bayrischen Biergarten zu eröffnen. Ich rede gerne über die Notwendigkeit, in Deutschland ein Minarett zu eröffnen. Und ich finde es durchaus legitim, dass in den USA unterschiedliche Kulturfeste gefeiert werden, denn wohl kaum ein Volk dieser Volk ist derart heterogen. Aber ich werde keine Sekunde darüber verlieren, ob diese oben erwähnte “Kleinigkeit” Teil der deutschen und internationalen (Rechts-)Kultur werden soll.

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